„Spass“ mit der Telekom

Ja, ich wohne seit inzwischen über sieben Jahren in München. Doch aller Anfang war schwer. Ich erinnere mich gerne daran zurück, wie mich die härteste Prüfung in München ereilte. Nicht die Kultur, nicht die Sprache – auch nicht die CSU. Nein, es war die Herausforderung bei der Telekom einen vernünftigen DSL-Anschluss zu bekommen.
Und so begab es sich…

…irgendein Tag Anfang März: Mein Umzug nach München ist beschlossene Sache und es wird Zeit, dass ich meinen Internetanschluss ummelde, damit ich pünktlich zum Umzug auch wieder der Internetsucht im eigenen Heim nachgehen kann. Also rufe ich bei meinem Telefonanbieter, der Telekom, an und schildere ihnen mein Problem.

Dass ich dort seit Jahren schon als Frau Sven Siemen gemeldet bin, interessiert inzwischen niemanden mehr. Selbst die Zusendung einer aussagekräftigen Kopie meines Personalausweises, der mich mit zartem Bartwuchs (Vollbart!) zeigt, brachte keinen Erfolg. Also rufe ich mit meiner femininen Stimme an und hauche der Dame am anderen Ende der Leitung im zarten Sopranton zu, dass ich in den nächsten Wochen umziehen werde und ich doch bitte umgemeldet werden möchte.

Die Dame reagiert prompt und fragt, ob ich für meine Partnerin Frau Sven Siemen anrufe. Nachdem ich ihr mitteile, dass ich ihre uneheliche Tochter Frau Brunhilde Siemen bin, reagiert die Dame zwar etwas irritiert, aber scheint sich nun endlich meines Anliegens anzunehmen.

„Sie möchten also umziehen, haben Sie bereits die neue Adresse?“
„Ja, habe ich. Sie lautet bla bla bla bla.“
„Gut, möchten Sie auch eine Internetverbindung haben?“

Hallo? Ich habe in Berlin einen Internetanschluss, warum in aller Herrgottsnamen soll ich in München darauf verzichten? München ist ja schon etwas dörflicher als Berlin, aber das heißt ja nicht, dass ich gleich zum Einsiedler werde. Also gebe ich der holden Weiblichkeit zu verstehen, dass ich auch dort gerne wieder Zugriff zum World Wide Web hätte.

„In Ordnung, dann muss ich kurz klären, welche Verbindung dort verfügbar ist. Einen Moment bitte.“

Bevor ich noch irgendwas sagen kann, ertönt der klassische Telekom-Warteschleifen-Jingle an mein Ohr und ich muss unbewusst an Donuts in Magentafarben denken. Nach wenigen Sekunden meldet sich die Frau zurück:
„Hören Sie?“

Nein, ich bin inzwischen taub von diesem Jingle und streiche meine Wohnung gerade wie in Hypnose in Magentafarben an.

„Ja, tue ich.“
„Ich kann Ihnen DSL 1000 oder DSL 3000 anbieten, mehr geht nicht …“
„Wie bitte?“
„Ja, mehr ist nicht verfügbar.“

Spätestens jetzt ist mir klar, dass ich nicht nach München, sondern in die Internethölle ziehe. Wilde Albträume von summenden 56K-Modemgeräuschen erscheinen in meinen Gedanken und ich fange an, auf meinen Telefonhörer zu beißen …

„Sind Sie noch da?“
„Ähm, ja, tschuldigung. Und da lässt sich nichts machen? Kein DSL 16000 oder wenigstens DSL 6000? Irgendwas???“
„Nein, tut mir leid, mehr ist uns nicht möglich.“

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Mit einem Kloß im Hals willige ich ein, dass ich DSL 3000 nehme, und spüre, dass mein Körper anfängt zu zittern. Erste Gedanken, dass ich ins Büro einziehe, falls wir dort eine schnellere Leitung haben, machen sich in meinem Kopf breit – wo könnte ich unter meinem Schreibtisch denn die Kochnische am besten anbringen?

Nach wenigen Minuten voller Qualen ist der Prozess auch beendet und die weibliche Form des Teufels teilt mir mit, dass sich mein Ummeldevorgang nun im System befindet.

„Kann ich sonst noch was für Sie tun?“

Einen Moment überlege ich, ob ich ihr nicht sagen soll, dass sie gefälligst unter meiner neuen Wohnung buddeln soll, um mir eine schnellere Internetverbindung zu ermöglichen. Ich belasse es jedoch bei einem frustrierten „Nein!“

„Dann bedanke ich mich für Ihre Geduld, darf ich ihnen noch kurz unser neues Angebot zu T-Home Entertain vorstellen? Ab sofort erleben Sie Fernsehen in einer neuen Dimension – mit den Entertain-Paketen von T-Home, zusätzlich erhalten Sie VDSL 50, womit Sie blitzschnell durch die Weiten des Internets surfen können …“

Die Welt regt sich über „Killerspiele“ auf? Ich bin davon überzeugt, dass die Hotline der Telekom die Menschheit eher zu Amokläufen anstiftet. Hat diese gesichtslose Schabracke am anderen Ende der Leitung wirklich gerade gesagt, dass ich DSL 50.000 bekommen kann? Ich halte die Luft an und atme gaaaaanz langsam ein und aus – und beiße mir nebenbei extrem auf die Zunge, keine Hasstiraden gegen Callcenter-Mitarbeiter von mir zu geben. Im zarten Engelston frage ich stattdessen: „Sagten Sie nicht, dass ich nur DSL 3000 als Maximum empfangen könne?“

Ganz neckisch lacht das Luder am anderen Ende in die Leitung.
„Aber nein, nur ohne T-Entertain. Mit unserem neuen Produkt sind Leitungen bis 50.000 möglich.“

Dank dieser guten Frau wurde mir nun klar: Es gibt einen Leben nach dem Gehirntod und es plaudert mit mir am anderen Ende der Leitung. Würde es hier nicht um mein Internet gehen, würde ich mich sofort mit ihr treffen wollen, um meine Chancen auf den nächsten Nobelpreis zu erhöhen, aber leider hatte ich gerade ein wichtigeres Anliegen.

„Und wenn ich nun ein paar Euro mehr zahle und sage, ich will das, dann kriege ich das … auch in München?“
„Aber natürlich, bei Ihnen in Berlin geht das noch nicht.“
„Danke, reicht. Bestellen, machen und ordern. Keine weiteren Fragen euer Ehren, ich will das haben!“

Ich glaube, das brachte sie erneut aus dem Konzept.

„Soll das auch auf Frau Sven Siemen laufen?“
„Ja! Von mir aus auch auf die!“
„Gut, dann gebe ich das so ins System ein. Sie erhalten in Kürze eine schriftliche Bestätigung und werden Entertain dann zum 1. April nutzen können, da dies immer nur zum Anfang des Monats funktioniert. Zusätzlich erhalten Sie neue Hardware, da ihr jetziges Modem nicht für VDSL ausgelegt ist. Haben Sie sonst noch Fragen?“
„Nein“, brülle ich etwas unmotiviert ins Telefon und legte schnell den Hörer auf, bevor die Telekomtante es sich doch noch anders überlegt.

Inzwischen vergingen die Wochen, die Tage wurden länger und der Frühling zog ins Land. Doch von meiner versprochenen Hardware kam nichts an. Zwar erhielt ich gefühlte drei Dutzend Auftragsbestätigungen der Telekom, doch keine Spur von der Hardware und übermorgen soll der neue Anschluss freigeschaltet werden. Also wähle ich die mir bekannte Nummer: 0-8-0-0-3-3-0-1-0-0-0. Willkommen im Land der Warteschleifen und Computer-Navigation.

Aber nein, ich werde nicht direkt zum Kundenberater weitergeleitet – warum auch, das wäre zu einfach -, man möchte erst meine Telefonnummer, um mein „Anliegen fachgerecht bearbeiten zu können.“ Verdammt, wo zur Hölle ist nun meine neue Telefonnummer? In Zeiten der Handy-Telefonbücher merkt sich doch kein Mensch mehr irgendeine Telefonnummer. Leider habe ich meine Telefonnummer auch noch nicht in mein Handy eingespeichert, denn so lange habe ich sie noch nicht. Wie im Rausch wühle ich mich durch die Schubladen und Umzugskartons, stoße dabei eine Lampe um (sorry, Mama, ich klebe das gute Stück), um nach einer halben Stunde endlich den Drecksbrief zu finden, in dem meine neue Nummer angegeben wird. Auch der Telekomcomputer scheint befriedigt und stellt mich gütig zu einem Kundenberater durch.

„Guten Tag Frau Siemen, wie kann ich Ihnen behilflich sein?“
„Hallo, hier ist der Sohn von Frau Siemen, diese liegt gerade im Krankenhaus und lässt sich umoperieren. Ich habe eine Frage zu ihrem Auftrag bezüglich T-Home Entertain …“
„Gute Besserung an ihre Mutter, wenn Sie nicht Frau Siemen sind, dann brauche ich aber erst die Telefonnummer von dem Anschluss, um den es geht.“

Ich glaube, ich habe den Bruder der letzten Dame am Apparat.

„Diese habe ich doch gerade erst ins System eingegeben, bevor ich bei Ihnen gelandet bin …“
„Tut mir leid, das wird mir hier nicht angezeigt, aber die Postleitzahl und Ihr Nachname tun es auch.“

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Gut, es reicht. Dies ist der Moment, an dem ich beschlossen habe, dass ich jeden Menschen, der bei der Telekom arbeitet, aus meinem Adressbuch streichen werde – und auch nie wieder dort jemanden aufnehmen werde. Und wenn es Ms. Sexbombe persönlich ist, die mit ihrer heißen Schwester meine Leitung prüfen will.

„Wir haben vor einigen Wochen Entertain bei Ihnen geordert und nun habe ich zwar so viele Briefe von Ihnen bekommen, dass etliche Eichhörnchen das Einwohnermeldeamt belagern, aber die Hardware zu diesem Technikwunder ist noch nicht da.“
„Uhhhh …“

Nicht gerade die Antwort, die man von einem Telekommitarbeiter hören möchte …

„Was zur Hölle meinen sie mit uhhhh?“
„Ich glaube, dazu verbinde ich Sie mal mit unserer Entertain-Abteilung. Das kann aber einige Minuten dauern, da ich mich dafür durch einen Sprachansage-Computer kämpfen muss.“

Wie gut, dass der Telekom-Konzern so gut geschulte Mitarbeiter hat. Leider muss ich meinen Gedanken schnell revidieren, denn aus den wenigen Minuten Warteschleife ist inzwischen eine Viertelstunde geworden. Vermutlich nutzt die Telekom ihre eigenen Anschlüsse und morst mein Anliegen gerade ins Nachbarbüro.

Tatsächlich meldet sich weitere fünf Minuten später eine „Hallo Herr Siemen. Der Mitarbeiter von eben traute sich vermutlich nicht, es Ihnen zu sagen, aber wir haben im Moment eine enorme Retour an fehlerhafter Hardware. Wir schicken die neue Hardware frühestens am 1. April raus, sodass Sie sich noch einige Tage gedulden müssen. Als Entschuldigung erhalten sie einen Fünf-Euro-Gutschein …“

Mit dem ich sicherlich Farbballons kaufe, die ich der nächsten Telekom-Filiale ans Fenster schmeiße.

Mir reicht’s! Ich habe keine Lust mehr, mich über die Telekom zu ärgern. Letztendlich erwartet man doch, dass es bei der Telekom eh schief geht. Alles andere würde einen Schockzustand bei mir hervorrufen. Mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten – und eine Stelle für meine Kochnische unter dem Schreibtisch habe ich auch schon gefunden …

Rückblickend kann ich inzwischen übrigens zufriedenstellend behaupten, dass am Ende doch alles gut wurde. Ich habe inzwischen eine 100er Leitung und bin sogar immer noch bei der Telekom. Ich musste nicht unter dem Schreibtisch hausen, habe meist Spaß mit seltsamen Mitarbeitern der Hotline, wenn ich mich denn mal beschweren muss, aber dies sind andere Geschichten, die ein anderes Mal erzählt werden…

Ein Kommentar

  1. Hallo,

    ich hoffe zwar nicht, dass es einen erneuten Anlass für „uuuuhhhhh“ geben wird, aber falls doch, melde dich gerne über unsere Community, Twitter oder Facebook und wir helfen weiter.

    Es grüßt Wiebke S. von Telekom hilft

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